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Carwitz – Das Fallada-Dorf

Eingebettet in dunkelgrüne Wälder und die sanften Hügel der Mecklenburger Endmoränen-Landschaft, liegt auf einem schmalen Bergrücken zwischen vier Seen (dem Schmalen Luzin, dem Zansen, dem Carwitzer See und dem Dreetz) das Dorf Carwitz, das schon 1216 als Fischerdorf genannt wurde. Hier glaubte Hans Fallada im Jahre 1933 Zuflucht und die Möglichkeit zu innerer Emigration zu finden. Durch seinen Welterfolg „Kleiner Mann – was nun?“ war Hans Fallada finanziell in die Lage versetzt, sich den lang gehegten Traum von einer eigenen Landwirtschaft zu erfüllen. carwitz4.jpgSo fand er in Carwitz – zwischen Kuhstall, Tenne, Bienenhaus und Kartoffelfeld – den körperlichen Ausgleich zu seinem schriftstellerischen Schaffen. Gleichzeitig sorgte der große Halt, den er im familiären Glück mit seiner Frau Anna und den drei Kindern Uli, Lore (Mücke) und Achim fand, dafür, dass die elf Carwitzer Jahre zur produktivsten Zeit des Erzählers wurden und er ein äußerst umfangreiches episches Werk hinterließ. Aber Hans Fallada, der sich nicht entschließen konnte, Nazideutschland zu verlassen, erlebte in Carwitz auch die Diskriminierung als humanistischer Schriftsteller sowie die Deformation seines Künstlertums, so dass er sein Lebensschiff mitunter nur „schlecht und recht durch die Unbilden der Zeit“ manövrieren konnte (Günter Caspar).

 

museum.jpg Ein Gang durchs Dorf

Von Feldberg kommend, begrüßt den Carwitz-Besucher im Oberdorf noch immer die alte, inzwischen restaurierte Windmühle, in der eine Verkaufsgalerie Kunstwerke und Literatur anbietet. Auf der gepflasterten Hauptstraße erreicht er links den alten Dorffriedhof. Nachdem 1981 Hans Falladas Urne von Berlin zu ihrer endgültigen Ruhe nach Carwitz überführt wurde, ist der stille Platz mit seinen alten Bäumen und den Eisenkreuzen inmitten der Bauernhäuser zu einem Park umgestaltet worden. An seinem äußeren Rand, über dem Ufer des Schmalen Luzin, befindet sich Hans Falladas Grab. Ein schlichtes, aus Sandstein gefügtes Geviert, das auch die Ruhestätten von Hans Falladas Mutter, seiner Tochter und der langjährigen Ehefrau Anna umschließt. Ein von dem einheimischen Künstler Uwe Maroske gefertigter Fries verleiht der Ruhestätte einen künstlerischen Rahmen und betont die Schlichtheit der Grabstätte.

An verschiedenen Gaststätten und einer Kneipenscheune vorbei, führt der Weg zum Dorfanger. Eine uralte Linde steht am Eingang zum Kirchhof, in dessen Mitte sich die schlichte, heute turmlose Fachwerkkirche befindet. Neben ihr steht der Glockenstuhl zu ebener Erde. Den von Hans Fallada erwähnten Hügel hinab gelangt man ins Unterdorf, überquert die Bäk und erreicht einen fantasievoll nach Hans Falladas „Geschichten aus der Murkelei“ gestalteten Kinderspielplatz. Von dort aus hält man sich entsprechend der Wegweiser rechts in Richtung Bohnenwerder und gelangt bald an die ehemalige Büdnerei Nr. 17, das heutige Hans-Fallada-Museum.

 

(Fotos: Martin Wunsch)